Walter Krämer

Walter Krämer

Wir ehren Walter Krämer, den "Arzt von Buchenwald".

Lebensdaten

Am 21. Juni 1892 wurde er in Siegen geboren. Nach der Ausbildung zum Schlosser und der Dienstzeit bei der Kriegsmarine kehrte er 1918 nach Siegen zurück, wo er sich sogleich im Siegener Arbeiter- und Soldatenrat engagierte. Als Parteisekretär der KPD und ab 1932 auch als Mitglied des Preußischen Landtages wurde Walter Krämer nach dem Reichstagsbrand 1933 verhaftet und von der NS-Justiz 1934 wegen Hochverrats zu einer zweijährigen Gefängnisstrafe verurteilt. Am Tag seiner Entlassung übernahm ihn die Gestapo und überstellte Krämer 1937 ohne Urteil in das KZ Buchenwald. Dort eignete er sich im Selbststudium rasch medizinische Grundkenntnisse an, organisierte die Krankenversorgung und führte sogar schwierige Operationen durch. Ohne Ansehen der Person half er jedem, der Hilfe benötigte, und rettete damit einer Vielzahl von Häftlingen das Leben. Der SS zunehmend ein Dorn im Auge, wurde Walter Krämer am 6. November 1941 im Außenlager Goslar ermordet.

Erinnern

Nur wenigen Menschen in Siegen ist der Name Walter Krämer bekannt, obwohl es schon in den 80-er Jahren verschiedene Bemühungen gab, ihn durch die Stadt Siegen offiziell ehren zu lassen. Alle Initiativen scheiterten bisher am Widerstand der etablierten Parteien, die sich schlicht weigerten, die Taten Krämers zu würdigen, da dieser sich bis zu seiner Ermordung durch die SS stets zur kommunistischen Idee bekannte.

Initiative Walter-Krämer-Platz

Im Jahre 1997 forderte eine Initiative, gebildet aus der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Siegerland e.V., der SJD-„Die Falken" und dem von DLL und sozialistischen Schwesterorganisationen getragenen AStA der GH Siegen, die Benennung des seiner Zeit neu geschaffenen Sparkassenvorplatz nach Walter Krämer. Doch auch dieses Vorhaben scheiterte. Laut Bürgermeister Karl Wilhelm Kirchhöfer (SPD) in einem 15 minütigen Fernsehbericht des WDR über das Leben Walter Krämers, weil „sein politisches Engagement für die KPD eine angemessene Bewertung seiner unbestritten herausragenden Leistungen während seiner Haft im KZ Buchenwald nicht zuließe."

Artur Radvansky: „...ein leuchtender Stern in der Hölle von Buchenwald."

Im Juni 1997 war Herr Artur Radvansky aus Tschechien zu Gast in Siegen. Er war selbst in Buchenwald inhaftiert und konnte am eigenen Leib erfahren, welch herausragende Persönlichkeit Walter Krämer war. Nicht nur, daß Krämer ihm durch zwei Operationen das Leben gerettet hat, er war auch immer für ihn da, wenn ihn der Hunger plagte oder er zu verzweifeln drohte. Herr Radvansky betonte, daß es ihm unverständlich sei, daß sich in Siegen niemand an diesen großartigen Menschen erinnern möchte, obwohl man doch eigentlich so stolz auf ihn sein könne. Der Einladung der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit folgte keines der persönlich angeschriebenen Ratsmitglieder.

Yad Vashem

Angeregt durch die neuerlichen Auseinandersetzungen um die Person Walter Krämers, stellte die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit den Antrag, ihn in die zentrale Holocaust-Gedenkstätte in Israel Yad Vashem, aufzunehmen. Eine Entscheidung hierüber steht noch aus.

Walter-Krämer-Krankenhaus

Die Sozialistische Jugend hat ihre Forderung nach einer öffentlichen Würdigung Krämers inzwischen mehrfach erneuert. In verschiedenen Schreiben an die Kreistagsfraktionen und den Oberkreisdirektor forderte sie die Angeschriebenen auf, Stellung zu beziehen bezüglich einer Anregung, das Haus Siegen des Kreiskrankenhauses in Walter-Krämer-Krankenhaus umzubenennen bzw. mit diesem Namenszusatz zu versehen. Antworten auf diese Schreiben blieben entweder ganz aus oder hatten einen ausweichenden Charakter.

Resümee

Die Menschen, die Widerstand gegen den Nationalsozialismus geleistet haben, verdienen unsere Anerkennung. Der Widerstand von Kommunistinnen und Kommunisten kann dabei nicht länger ausgespart bleiben. Ein Mensch wie Walter Krämer darf kein Vergessener bleiben. Er hat Leben gerettet und sich mit unbeschreiblicher Energie der Barbarei des Nationalsozialismus widersetzt. Zuletzt mußte er seine Überzeugung mit dem Leben bezahlen. Seine Taten müssen heute Beispiel für uns sein.

Literatur:
  • Klaus Dietermann/Karl Prümm: Walter Krämer - von Siegen nach Buchenwald. Siegen 1986. Erhältlich in allen Siegener Buchhandlungen oder direkt bei der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit Siegerland e. V., Häutebachweg 9, 57072 Siegen.
  • Bodo Ritscher: Arzt für die Häftlinge. Weimar/Buchenwald 1988.

VerweisRede zur Einweihung der Krämer-Gedenktafel VerweisArchiv


[Home] [Schmuddelkind] [Texte] [Termine] [Links] [Mail]