Ringvorlesung im SoSe 1999: NATO-Krieg gegen Jugoslawien

Precision-targeting information is just as important as precision-targeting weapons, and the new media will make this possible to an unprecedented degree. (Alvin u. Heidi Toffler, War and Antiwar. 1993, 201.)

Im Rahmen der Jugoslawien-Ringvorlesung im Sommersemester 1999 lädt die DLL ein zu einer öffentlichen Veranstaltung zum Thema „Information warfare – Wahrheit, Lüge und die Medien im Krieg".

Im Falklandkrieg 1982 richtete Großbritannien sogenannte Presse-Pools ein. 29 Journalisten durften auf britischen Kriegsschiffen mit in das Operationsgebiet fahren; ihre Berichterstattung indes lief durch den Filter der Militärzensur.

1983 starteten die USA ihre Invasion Grenadas. Während der Kampfhandlungen wurde über das Kampfgebiet eine vier Tage währende Nachrichtensperre verhängt.

1989, als US-amerikanische Truppen in Panama einmarschierten, wurde ein „National Media Pool" errichtet. Zwei Stunden vor Beginn der Kampfhandlungen wurden die Jour-na-listen dieses Pools aus dem Kriegsgebiet ausgeflogen und mehrere Stunden auf einem abgelegenen Militärstützpunkt festgehalten.

1991 begann der zweite Golfkrieg. ZDF-Chefredakteur Klaus Bresser meinte ein Jahr später zur Rolle der Medien in diesem Krieg: „Wir müssen nicht nur zugeben, daß wir als Propagandainstrument der Militärs mißbraucht wurden, sondern auch, daß wir uns haben mißbrauchen lassen. Wir wußten, daß wir nur einen weitgehend zensierten Ausschnitt aus der Realität des Krieges zeigen konnten und taten es trotzdem."

In besagtem Golfkrieg wurden professionelle Werbestrategen engagiert, um mit Horrormärchen („Brutkasten-Story") die Stimmung anzuheizen. Mittlerweile ist bekannt, dass auch in den Kriegen auf dem Balkan Agenturen beauftragt wurden, um die eigene Sache in einem möglichst guten Licht erscheinen zu lassen. Kroaten, Bosnier und Kosovo-Albaner beauftragten die international agierende Werbeagentur Ruder Finn Global Public Affairs mit der Vermarktung ihrer Interessen.

Welchen Nachrichtenmeldungen können wir heute überhaupt vertrauen? Erliegen wir einer PR-Strategie und der gezielten Einflussnahme der Kriegsparteien auf die Medienberichterstattung?

Es referiert Elvira Claßen. Sie ist Medienwissenschaftlerin und arbeitet im sfb 240 (Bildschirmmedien) an der GH Siegen. Sie ist Geschäftsführerin der Initiative Nachrichtenaufklärung.

Die Veranstaltung findet statt am Dienstag, 8. Juni 1999, 14 Uhr im Café Chaos (AR-A 1008).

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