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Nr. 1 · 19. Oktober 1998

Inhalt

Editorial
DLL online
Schicki-Micki: AStA-Café mit komischer Einrichtung und seltsamen Verträgen
Bilanz der Verwüstung:Fünf Monate neuer AStA
Schöne Aussichten:Verbot von Studiengebühren?
Das Volk kocht:Demnächst erscheint ein Volxküchen-Kochbuch.
Die Metropole Siegen:ECE und neuer Busbahnhof

Da sind wir wieder!

Die erste Ausgabe des neuen Schmuddelkinds – von den MacherInnen des alten AStA-Inform und im gewohnten Stil. SchmuKi soll in lockerer Folge erscheinen. Als Linke an der Hochschule wollen wir nicht nur eine Alternative zum „AStArix" sein. In gewohnter Weise werden wir über Aktuelles aus Hochschule und Stadt berichten. Wir glauben, dass das Not tut, schließlich geht die neue Mehrheit im Studierendenparlament den Autonomen Referaten an den Kragen und zerschlägt somit bewährte Strukturen. Die Informationshoheit an der Hochschule nur RCDS & Co. zu überlassen, wäre also töricht. Viel Spaß beim Lesen!

DLL online

Die DLL ist natürlich nicht nur eine linke, sondern auch eine fortschrittliche Liste. Unter www.dll-siegen.de/ erfahren InteressentInnen die neuesten Volxküchen- und andere Termine. Daneben gibt es die Wahlplattform, die meisten Ausgaben von AStA-Inform und aktuelle Texte. Einfach mal reinsurfen, wir beißen nicht mal virtuell. Und wer sowieso gerade im Netz ist, kann ja auch gleich ein bisschen komparative Feldforschung betreiben: Das magere Angebot des „Neuen AStA" gibt’s unter www.uni-siegen.de/student/asta.

Schicki-Micki: AStA-Café

Wer in den Semesterferien oder zu Beginn des neuen Semesters einen Kaffee trinken wollte, war auf Bistro oder Café Chaos angewiesen. Das altgediente, zuverlässig geöffnete Kulturcafé war verriegelt und verrammelt. Nicht mal für die Erstsemestereinführungen der Fachschaften wurde der Raum zur Verfügung gestellt. Schuld daran war aber nicht das Autonome Kulturreferat, das das Café seit mehr als zehn Jahren bewirtschaftete, sondern der sogenannte "Neue AStA", der Kulturreferenten ernannt hatte - offenbar als Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für abgehalfterte Ex-Helden. Diese Heroen (beide "Abakus") brauchte man nämlich, um die Mehrheit im StuPa zu ergattern. Im Frühsommer hatten die Herren Kliem und Bartels, unermüdlich im gefährlichen Einsatz gegen den Schimmelpilz, dem Autonomen Referat noch versichert, alle geplanten Maßnahmen würden gegenseitig abgestimmt, das Kulturreferat werde nicht in seiner Arbeitsfähigkeit beeinträchtigt. Man habe lediglich die Hochschulverwaltung gebeten, über eine Renovierung nachzudenken.

Leere Versprechen. Schon im Sommersemester hatte der AStA das Kulturcafé vorübergehend geschlossen, um eine Gesundheitsgefährdung durch angeblichen Schimmelpilzbefall zu vermeiden (der Pilz war keiner, sondern eine Ente). Als diese Begründung nicht mehr zu halten war, wurden erst Hausstaubmilben bemüht, dann bauliche Mängel nachgeschoben. Alles Quatsch. Offenbar hatten der AStA und die ihn tragenden Listen RCDS, LHG und "Abakus" nie die Absicht, in Koexistenz mit dem Autonomen Kulturreferat das Café zu nutzen. Seit September ist der Raum dicht, und zwar zum Zwecke der Renovierung und des Umbaus. Das liest sich so: "Der AStA [...] hat in Zusammenarbeit mit der Hochschulverwaltung, dem Studentenwerk und der Krombacher Brauerei eine neue Kulturstätte an der Hochschule eingerichtet, die zukünftig für zahlreiche kulturelle und gesellschaftliche Veranstaltungen genutzt werden soll." Zur Eröffnung wird unser aller Lieblings-Magnifizenz, Rektor Albert H., zum kalten Sektchen warme Grußwörtchen liefern. Vorher geliefert hat bereits die Krombacher Brauerei, nämlich die Innenausstattung des neuen Renommierobjekts. Sicher ganz uneigennützig. Über die genauen Konditionen der Vereinbarung mit Krombacher war noch nichts in Erfahrung zu bringen. Womöglich hat sich der AStA zur Abnahme einer Mindestmenge Bier verpflichtet. Nicht, dass wir irgendwas gegen das gelbe Gesöff mit den lustigen Blubberbläschen hätten. Auch gegen die Marke gibt's nichts einzuwenden. Sollte sich aber herausstellen, dass der AStA ohne Beschluss des Studierendenparlaments einen langfristigen Vertrag mit erheblichem wirtschaftlichen Risiko geschlossen hat, gibt's Stress. Ganz zu schweigen von zunehmender Kommerzialisierung des Lebensraums Hochschule.

Die neuen Mehrheiten treten wieder einmal die studentische Satzung, per Urabstimmung verabschiedet, mit Füßen. In dieser Satzung ist nämlich die Existenz der Autonomen Referate und deren Ausstattung garantiert. Ebenfalls mit Füßen getreten werden alle, die das Kulturcafé als einen selbstverwalteten Raum gerne genutzt haben, um dort Kaffee zu trinken, zu quatschen oder Arbeitsgruppensitzungen mit KommilitonInnen abzuhalten. Die Zeiten, in denen man selbst Kaffee kochen und den Raum nutzen konnte, wann man wollte, dürften vorbei sein. Das angestrebte Schicki-Ambiente dürfte beinhalten, dass man im Kulturcafé zu ausgewählten Öffnungszeiten ein bisschen Mainstream konsumieren kann. Getränke, die konsumiert werden sollen, gibt’s dann vermutlich von einer freundlichen Bedienung. Prost Mahlzeit.

Bilanz der Verwüstung

Seit Mai ist der "Neue AStA" nun im Amt. Bei den letzten Wahlen zum Studierendenparlament (StuPa) gab es eine unerfreulich deutliche Mehrheit für eine Koalition aus dem CDU-Ableger an der Hochschule (RCDS, Ring christlich-demokratischer Studenten), der kleinen F.D.P.-Schwester (LHG, Liberale Hochschulgruppe) und einer angeblichen Personenliste ohne weitere Inhalte ("Abakus"). So kam, was kommen musste - der seit vier Jahren amtierende AStA, von DLL und Unabhängigen gestellt, wurde abgelöst.

Seitdem spielen die Nachwuchsmanager Monopoly auf der Brücke. Statt der früheren Kollegialstruktur im AStA gibt es jetzt einen Vorsitzenden, einen Stellvertreter und einige andere oberwichtige Menschen im AStA. Für den Service-Bereich ist man nun vorwiegend als Arbeitgeber zuständig; so wurden für den AStA-Shop Aushilfskräfte eingestellt, deren Bezahlung außerhalb jeder Tarifvereinbarung liegt. AStA-Shop und AStA-Büro wurden durch eine "günstig erworbene" Ladeneinrichtung auf modern getrimmt. Mit der Folge, dass BesucherInnen jetzt im AStA-Büro hinter einer Empfangstheke vom Amtsschimmel empfangen werden. Das Shop-Angebot wurde drastisch reduziert. Ein eilig erstelltes Sozial-Infoheft wurde wieder eingestampft, weil sich im Vorwort plötzlich Lobhudeleien fanden, die selbst dem AStA zu dick aufgetragen erschienen. Geballte Inkompetenz dann bei dem Versuch, die BAföG-Materie einer Schar von Erstsemestern zu vermitteln.

Statt die seit einem Dutzend Jahren existierenden und erfolgreich funktionierenden Autonomen Referate zu unterstützen, wie es nach der urabgestimmten Satzung der Studierendenschaft Aufgabe des AStA wäre, wurde ihnen die Anerkennung kurzerhand ebenso gestrichen wie die Mittelzuweisung.

Die wirtschaftlichen Auswirkungen des Experiments "Neuer AStA" lassen sich bei Redaktionsschluss leider noch nicht absehen. Die Quartalsabschlüsse für das II. (Stichtag: 30.6.) und das III. (Stichtag: 30.9.) Quartal lagen immer noch nicht vor.

Schöne Aussichten

waren zu erwarten, als sich auch die SPD-geführten Bundesländer dazu entschlossen, einer von Bundesbildungsminister Jürgen Rüttgers (CDU) initiierten Novelle des Hochschulrahmengesetzes (HRG) zuzustimmen. Entgegen vorheriger Aussagen verzichteten die Spezialdemokraten darauf, weiterhin auf dem Verbot von Studiengebühren zu bestehen. Später fiel ihnen dann ein, dass sie doch etwas wichtiges vergessen hatten und forderten Nachbesserungen. Sicherlich auch im Hinblick auf die bevorstehende Bundestagswahl bekräftigte die SPD ihren Willen, ein Verbot von Studiengebühren im neuen HRG zu verankern.

Nach dem rot-grünen Wahlsieg bleibt nun abzuwarten, inwieweit sich die PolitikerInnen an ihr Versprechen erinnern und zügig damit beginnen, Studiengebühren zu verhindern. Die Zeit drängt. Ob Berlin (Verwaltungsgebühren) oder Baden-Württemberg (1000 DM pro Semester für "Langzeitstudierende"): Es steht zu befürchten, dass weitere Bundesländer nachziehen werden. Selbst an der GH Siegen, einst mit dem Anspruch gegründet, sozial benachteiligten Gesellschaftsschichten ein Studium zu ermöglichen, wird der bisherige Konsens, Studiengebühren abzulehnen, immer mehr in Frage gestellt. Nun liegt es an uns, die neue Regierung an ihr Versprechen zu erinnern.

Das Volk kocht

Vier Jahre gibt es sie mittlerweile, die DLL-Volxküche. Jeden zweiten Dienstag, mal mehr, mal weniger pünktlich, ab 20 Uhr im VEB. Grund genug, auf das Erfolgsrezept zurückzublicken und allen, die einmal einen Termin verpasst haben, die Möglichkeit an die Hand zu geben, das Versäumte nachzuholen. Über chinesische Buffets und indische Gerichte bis hin zur legendären Rohrzangenbowle soll demnächst das ultimative DLL-Volxküchen-Kochbuch informieren, das voraussichtlich im Dezember erscheinen wird. „Wir konnten uns vor Anfragen nach den Rezepten nicht mehr retten", so das Volxküchenteam. Was das Kochbuch von anderen Kochbüchern unterscheidet? „Es gibt zwar viele Kochbücher, zumeist aber mit Gerichten für vier bis acht Personen. Bei einer EsserInnenzahl von dreißig bis sechzig Personen wird einem damit die Suppe gründlich versalzen". Auf die Frage, ob es sich mit dem Kochbuch nicht um eine Zeitgeistklamotte à la Biolek oder der besseren Hälfte des Bundespräsidenten, Christine Herzog, handelt, antwortet das Volxküchenteam einhellig: "In Designerküchen rumstehen und nett plaudern ist keine Kunst. Besser und vor allem lustiger als die sind wir allemal, nicht nur im vegetarischen Bereich. Und was die Herzogs betrifft: Beide sollten, was Kochen und Regieren betrifft, den Löffel bald abgeben."

Die Metropole Siegen

ist neben den längst vorhandenen Attraktionen gleich um zwei reicher: Seit letzter Woche gibt es ein monumentales Einkaufszentrum und einen damit harmonisierenden Zentralen Omnibusbahnhof. Ersteres, um die Kaufkraft aus dem Umland (Oberstadt, Weidenau, ...) etwas gerechter zu verteilen, letzteren, um die Menschenmengen bewältigen zu können, die nachts um drei aus der Kneipe kommen (aus Motte und VEB etwa) und nach Hause wollen (auf den Haardter Berg etwa).

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