Schmuddelkind-Logo

Nr. 4 · 11. Januar 1999

Eine Selbstbeweihräucherung

veranstaltet der "Neue AStA" jetzt im World Wide Web (www.uni-siegen.de/student/asta/). Nachdem die Jungs da oben lange Zeit nichts auf die Kette bekommen haben, wurden unlängst etwas frischere AStA-Rats-Protokolle ins Netz gestellt. Es fehlen zwar einige, aber die Drei-Monats-Lücke konnte beinahe geschlossen werden. Leider gibt es für Studierende ohne Netzanschluss keine Möglichkeit, die Protokolle ohne Umstände einzusehen – sie werden vom AStA nicht mehr an den vorhandenen Schwarzen Brettern ausgehängt.
Die auf den Internet-Seiten schon lange angekündigte, aber nie verwirklichte

Chronik

steht jetzt auch dort, wo sie hingehört. Allerdings handelt es sich dabei nicht um eine Chronik, sondern um einen Erguss, den nur Menschen mit abgeschlossenem Public-Relations-Studium liefern können. Kostproben:

Der Neue AStA hat seit seinem Amtsantritt Ende April 1998 viel erreicht:
Stimmt. Die Autonomen Referate an der Hochschule sind mangels Finanzen arbeitsunfähig, der AStA ignoriert Beschlüsse der Fachschaftenkoordination und schafft es nicht einmal, Haushaltspläne und Rechnungsergebnisse rechtzeitig einzureichen.

AStArix: Die Publikation des AStA setzt in puncto Umfang, Layout, Erscheinungsweise und Verbreitung neue Maßstäbe. Jeder kann kostenlose Kleinanzeigen schalten.
Stimmt auch. Vor allem in puncto Inhalt setzt dieses Blatt neue Maßstäbe. Die muss man nämlich mit der Lupe suchen. Verglichen mit dem AStA-Inform des alten AStA wurde die Erscheinungsweise (man ist mittlerweile bei Ausgabe 6 – seit Mai 1998 – angelangt) halbiert bis gedrittelt. Das Layout erinnert an das erste DTP-Programm mit vielen bunten Fonts, das Logo stammt aus den sechziger Jahren, und die Kleinanzeigen sind eben nur für „jeden", nicht für „jede", aber das ist eh die übliche AStA-Sprachregelung.

AStA-Café: Das AStA-Café (vormals Kulturcafé) ist renoviert und neu eingerichtet worden mit einer leistungsstarken Musikanlage, einer Bierzapfanlage und Bistrotischen und -stühlen.
Auch das stimmt. Was der AStA verschweigt, ist die Tatsache, dass das Autonome Kulturreferat, vorher für den Raum zuständig, im Frühjahr schamlos belogen wurde, was die weitere Nutzung des Kulturcafés angeht. Auch verschwiegen wird der Umstand, dass sich die Studierendenschaft im Gegenzug für die tolle neue Ausstattung zur langfristigen Abnahme hoher Biermengen bei der Krombacher Brauerei verpflichtet hat. Dabei wurde weder das Studierendenparlament (StuPa) vorher konsultiert, noch konnte der AStA bis 14 Tage nach Vertragsunterzeichnung Auskunft über den Inhalt der Vereinbarung geben (siehe auch Schmuddelkind 2/98).

AStA-Party: Am 20.11.98 fand die traditionelle AStA-Party im prall gefüllten Audimax statt. Erstmalig gab es neben den obligatorischen Getränken auch Verpflegung durch die Döner-Schmiede vom Casablanca.
Aber dafür müssen wir uns doch nicht gleich von der Grammatik verabschieden. Die Döner-Schmiede vom Casablanca, der Sancho vom AStA, der Walter von der Vogelweide. Was auf der AStA-Party, die es übrigens schon seit 1994 (DLL-AStA!) wieder gibt, auftrat, war ein privater Sicherheitsdienst. Ob Sprüche wie: „Dürfen die Schwarzen hier auch rein?" diesmal wieder gefallen sind, wissen wir leider nicht.

AStA-Shop: Der AStA-Shop ist renoviert und neu möbliert worden; das Sortiment wurde erweitert und viele Preise sind gesenkt worden.
Sortiment erweitert? Öffnungszeiten um 150 Prozent gesteigert? Personalkosten gesenkt? Euro-Einführung, Kartenzahlung, Werbegeschenke? Wer wird denn den Shop mit der City-Galerie verwechseln. Was im Shop wirklich veranstaltet wurde: Aushilfskräfte wurden eingestellt, die mit dem AStA nichts zu tun haben und keine Auskünfte – außer vielleicht über die Bleistiftpreise – geben können. Somit wurde der Shop aus einem integrativen AStA-Konzept, in das die Wirtschaftsbetriebe früher einbezogen waren, herausgebrochen. Demnächst wird er wahrscheinlich outgesourced angesichts der neuerworbenen suuuuperpraktischen Ladeneinrichtung.

Copykarten: Die Copykarten für die AStA-Kopierer sind nun in den Cafeterien des Studentenwerks im Hölderlin- und Paul-Bonatz-Gebäude erhältlich. Die Rennerei hat ein Ende!
Yo, das lassen wir euch neidlos – war eine gute Idee. Wobei man über den Ausgabeaufschlag streiten kann. Rennen musste vorher aber auch niemand – die Fachschaften in Hölderlin- und Paul-Bonatz-Straße haben auch schon immer Copy-Cards verkauft.

Fußballturnier: Das Fußballturnier AStA-Kick 98 war ein voller Erfolg – im Sommer spielten 17 (siebzehn!) Teams gegeneinander. Allen Beteiligten hat es sichtbar Spaß gemacht.
Allerdings hat das Turnier die Kräfte des AStA so dezimiert, dass nicht nur in den Semesterferien alles liegenblieb, was originäre Aufgabe eines AStA wäre. Sich um Hochschul- und Sozialpolitik zu kümmern beispielsweise.

Internetseite: Seit dem Wintersemester 1998/99 ist der AStA auch im WWW präsent. Viel Spaß beim Surfen weiterhin!
Falsch. Der AStA ist seit dem Wintersemester 1997/98 im Web präsent. Viele Informationen der alten Homepage wurden kommentarlos vom neuen AStA übernommen.

Projektmitteltopf: Alle studentischen Gruppen außer den politischen Hochschulgruppen können nun Geld aus dem Projektmitteltopf für konkrete Projekte beantragen. Über die Verwendung der Gelder muß nach Ende des Projekts Rechenschaft abgelegt werden. Für 1999 gibt es DM 20.000 zu verteilen! Aber: Ohne Rechenschaft gibt’s auch keine Geld!
Hm, eben, für 1999 gibt’s Geld. In 1998 haben es nämlich die AStA-tragenden Fraktionen RCDS, LHG und „Abakus" trotz vollmundiger Ankündigungen nicht auf die Kette bekommen. Sie waren ja auch mit der Zerschlagung arbeitsfähiger Strukturen beschäftigt.

[...] Studentische Initiativen: Die studentischen Initiativen VWI, AIESEC, ISiS, die Amateurfunker, Glückspils und Study & Consult wurden vom neuen StuPa endlich anerkannt.
Di di di ditt, da da da, tüt, rausch – hier ist die studentische Amateurfunk-Initiative, wir rufen die studentische Glückspils-Initiative: Ist noch genug Bier da oder sollen wir welches mitbringen? Over und out. Da haben wir wieder was für die Studierendenschaft „als Ganzes" getan, wie der RCDS immer so gern betont.

Umfrage: Mehrmals in allen 3 Uni-Gebäude fand im Sommersemester eine große AStA-Umfrage statt, an der sich fast 600 Studierende beteiligten. Gefragt haben wir nach AStA, StuPa-Wahlen und Uni. So haben viele den neuen AStA hautnah kennengelernt. Die Auswertung der Umfrage findet Ihr in AStArix 4.
Die Fragebögen waren so exzellent formuliert, dass dem Vernehmen nach zwei AStA-Referenten die Grundstudiumsscheine in empirischer Sozialforschung nachträglich aberkannt wurden.

Uni-Sommerfest: Der AStA war im Mensafoyer aktiv – dort spielten über den gesamten Abend vier Bands und es gab das AStA-Bistro: Wein, Weib und Gesang...
Uni-Alltagsbetrieb: Die AStA-Referenten verbringen ihre Dienstzeit im Kulturcafé bei einem lauschigen Spielchen am mitgebrachten Computer. Gleichzeitig ist man im AStA-Büro aktiv und klopft sexistische Sprüche auf der Homepage...

Veranstaltungen: Seit der offiziellen Eröffnung am 19. Oktober 98 gab es schon etliche vom AStA organisierte Events im AStA-Café: Livekonzerte, eine Kunstausstellung, die "Captain Future"-Filmnacht, den AStA-Netztag und und und. Zukünftige Veranstaltungen findet Ihr unter "AStA-Kultur".
Die Eröffnungsveranstaltung war neben zirka fünf Studierenden, die nicht dem AStA angehörten, von Rektor Walenta, Landrat Nienhagen, Verkehrspolizist Holzäpfel und einem CDU-Kommunalen besucht. Was man gerne zu erwähnen vergisst: Etwa 30 Studierende, teilweise aus Fachschaften, aus dem Kulturreferat und Ex-Kulturcafé-BesucherInnen, protestierten gegen die Zweckentfremdung des Raums, während Albert H. Walenta großmütig versicherte, den Raum so erhalten zu wollen. Danke, Chef!

Nix als Geschwätz. So kennen wir den „Neuen AStA" mit seiner „neuen Kultur des Dialogs": Geschäftsordnungsantrag auf Schluss der Debatte.

Vom 18.-22. Januar sind StuPa- und Fachschaftswahlen. Wählen gehen – diesem AStA die rote Karte zeigen!

VerweisÜbersicht Schmuki 5


[Home] [Schmuddelkind] [Texte] [Termine] [Links] [Mail]